Zwiemilchernährung… eine zwielichtige Sache oder durchaus sinnvoll? (sb)

Befragt man die WHO - Weltgesundheitsorganisation - World Health Organization, so ist Muttermilch die 5 Sterne-Ernährung für unsere kleinen neuen Erdenbürger. Sie enthält alle Nährstoffe und Vitamine, die ein Baby benötigt und passt sich im Laufe der Zeit immer wieder den individuellen Bedürfnissen des Säuglings an. Es wird ständig die optimale Zusammensetzung produziert. A la minute, perfekt temperiert und obendrein völlig steril. Ein wahrer Zwerge-Zaubertrank. Die WHO empfiehlt, 6 Monate voll zu stillen und dann nach Beikosteinführung weitere 2 Jahre nach Bedarf.

Ziemlich ungern gesehen... man könnte fast sagen der Lord Voldemort, der dessen Name nicht genannt werden darf, ist unter den absoluten Stillverfechtern das Wort mit P ... Premilch. Diese kommt aber natürlich zwangsläufig ins Spiel, wenn die Neumami a) nicht stillen kann, b) nicht stillen möchte oder wenn c) die Muttermilch einfach nicht ausreicht, damit der Säugling wächst und gedeiht.

Wie ich versuche, die Vorteile von beidem zu nutzen und das eine zu tun ohne das anderer zu lassen, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Zum Thema Stillen hatte ich mir vor der Geburt gar nicht so viele Gedanken gemacht. Mein Frauenarzt meinte, je lockererer und entspannter Sie an die Sache rangehen, desto besser wird das laufen. Das nahm ich mir zu Herzen und machte mir wirklich keine weiteren Gedanken darüber. Unsere Hebamme klärte natürlich darüber auf, welche Bandbreite an Nährstoffen Muttermilch enthält. Vorsichtshalber hatte ich dennoch eine Packung Premilch und ein paar Glas- und Plastikflaschen für die Erstausstattung zuhause. Man weiß ja eben vorher wirklich nicht, ob es klappt. Als mein kleiner Sohn auf die Welt kam, wurde er auch gleich im Krankenhaus angelegt. Und siehe da - es funktionierte wirklich. Je öfter der kleine Mann trank, desto besser lief es. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch waren die ersten zwei Wochen sehr schmerzhaft und ich war mehrmals an dem Punkt, an dem ich das Handtuch schmeißen und den kleinen Milchzwerg mit der Flasche füttern wollte. Aber alle rieten mir, durchzuhalten. Nach und nach heilten die Wunden, die der kleine Vampir hinterlassen hatte und es wurde wirklich entspannter. Natürlich hatte ich in den ersten Wochen das Gefühl, eine Dauermilchbar zu sein. 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet für den kleinen dauerdurstigen Gast. Das ist aber ein ganz sinnvolles Unterfangen, welches die Natur genauso eingerichtet hat. Gegen Abend sichert sich der kleine Barbesucher nämlich die Milchmenge für den nächsten Tag und da hier, wie in der freien Marktwirtschaft, die Nachfrage das Angebot bestimmt, wird sich allabendlich ordentlich eine Ladung hinter die Binde gekippt, damit auch am nächsten Tag wieder genügend im Angebot ist. Der extreme Run auf die Milch am Abend besserte sich aber nach und nach und es pendelte sich ein guter Rhythmus ein. Ich habe die ersten Wochen brav ein Still-Protokoll geführt, welches mir bereits im Krankenhaus in die Hand gedrückt wurde, um diesen Rythmus heraus zu bekommen. Es gab aber immer Zeiten, die außerplanmäßig liefen und der kleine Mann besonders und häufig an der Zapfsäule zu finden war.

 Alles in allem war und ist Stillen für mich eine superpraktische Sache, denn auch unterwegs habe ich alles parat und Stillen in den Öffentlichkeit ist längst kein Tabuthema mehr. Ich habe immer ein großes Tuch dabei, mit dem ich den Zwerg notfalls abschirmen kann und beim Shoppen lässt es sich prima in einer Umkleide stillen.

Nun aber zum Thema der Überschrift –Stillen ist super. Keine Frage. Ich wusste aber, ich möchte recht zügig wieder mit dem Arbeiten anfangen. Wir haben den großen Vorteil und einen separaten Stillraum auf meiner Arbeitsstelle. Ich hatte mir in der Apotheke eine Pumpe geliehen und habe dann dort mehrmals am Tag die Milch abgepumpt. Diese kam dann erst in eine sterile Flasche in den Kühlschrank, am Abend in eine mit Kühlakkus beladene Box und von dort aus in den heimischen Kühlschrank. Am nächsten Tag wurde sie dann verfüttert. Muttermilch bewahrt man am besten ganz hinten im Fach auf, denn dort ist es am kühlsten. Die optimale Temperatur sind 4-6 Grad Celsius. 

 Natürlich kann man dieses Verfahren durchaus sehr lange fortführen. Gesetzlich steht einem eine Stunde Still- bzw.- Abpumpzeit pro Arbeitstag zur Verfügung. Da ich aber oftmals einfach nicht zum Abpumpen kam, da ich unterwegs war oder Kundentermine anstanden und ich schon öfter einmal eine Premilch ausprobiert hatte, habe ich mich nach ca. drei Monaten, die ich mein Baby ausschließlich mit Muttermilch ernährt habe, für eine Zwiemilcherährung entschieden. Das heißt, dem Baby weiterhin Muttermilch zu geben, wenn ich zuhause bin oder es schaffe, abzupumpen und ansonsten Premilch. Mein Sohn verträgt das gut und er hat auch kein Bauchweh durch den Mix. Mittlerweile stille ich ihn morgens vor der Arbeit, tagsüber bekommt er fast ausschließlich Säuglingsnahrung und ab dem Zeitpunkt, an dem ich abends nach Hause komme, bekommt er wieder Muttermilch. Mein Körper hat sich daran gewöhnt und ich habe tagsüber keine Probleme damit. Die Vorteile sind, dass sich so Arbeiten und Stillen gut kombinieren lassen, auch wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen zum Abpumpen einmal nicht in Anspruch genommen werden können. Ich hoffe, dass dies noch länger so funktioniert, denn ich habe noch nicht vor, bald ganz abzustillen. Bald beginnt bei uns die Beikosteinführung und dann wird sich das Ganze sicher nochmal verändern. Der Vorteil der Muttermilch ist natürlich, dass diese beim ersten durstigen Krähen bereitgestellt werden kann, wobei eine Premilch oftmals wie ein gutes Pils bis zu sieben Minuten dauern kann. Bei der Flaschenfütterung ist der kleine durstige Milchvampir natürlich an die schnelle Brustverfügbarkeit gewohnt und mag auch mal den Aufstand proben wenn die Flasche zu lange auf sich warten lässt. Zu diesem Zweck haben wir uns ein praktisches Teilchen namens Cool Twister zugelegt. Es wird sterilisiertes, kochendes Wasser reingegossen und das ganze funktioniert wie ein Heizungswärmetauscher. Das heiße Wasser wird in Sekundenschnelle abgekühlt auf die perfekte Temperatur und Zack kann die Auslieferung des guten Tropfens erfolgen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass, auch wenn die Muttermilch in den ersten Lebensmonaten das Nonplusultra der Säuglingsernährung darstellt, es aus gegebenen Gründen durchaus keinen „Hochverrat“ darstellt, auf eine Zwiemilchernährung umzusteigen. Und auch, wenn gar keine Muttermilch gefüttert werden kann, geht davon die Welt nicht unter. Prenahrung ist ebenfalls nicht gleich Prenahrung. Auch hiermit sollte man sich intensiv beschäftigen, welche Sorte für das Baby die beste ist.

Doch finde ich, dass jedem bewusst sein sollte, dass, wenn Muttermilch verfügbar ist, diese zum Wohle des Kindes vorgezogen werden sollte. In welcher Menge auch immer.

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