Der kleine Lord Spuck-le-Roy (jh)

Man will nicht mit, aber man kann auch nicht ohne sie: Riesige Berge an Spucktüchern.
Man will nicht mit, aber man kann auch nicht ohne sie: Riesige Berge an Spucktüchern.

Euer sonst so zuckersüßes Baby verwandelt sich nach der Milchmahlzeit in eine einzige Milch-Fontäne, bei der jedes Lama vor Neid erblasst? Dann lasst Euch gesagt sein: Ihr seid nicht alleine und es geht vorbei (doch ehrlich).


Bis zum etwa 10. Lebensmonat des Mini-Helden zuckte ich automatisch zusammen, wenn mich jemand fragte: “Wollt Ihr uns mit dem Baby nicht besuchen?“. Dann ratterte eine ganze Reihe an Fragen durch meinen Kopf. Haben die Einladenden Teppich oder Lamiat/Fliesen? Ist die Couch mit Kunstleder oder Stoff bezogen? Können wir zur Not in den Garten ausweichen oder auf den Balkon, wenn die Gastgeber viele Teppiche haben?

Weshalb ich mich das immer gefragt habe? Weil der Mini-Held eine regelrechte Kotzmaschine war. Da gibt es nix zu Beschönigen. Er hat der lieben Tante volle Lotte in den Ausschnitt gekübelt, hat unsere Vorhänge liebevoll eingefärbt, den Omas mal ne ordentliche Ladung verpasst, jeglichem Spielzeug einen neuen Duft verliehen, auf dem Weg zum Wickeltisch den Boden neu dekoriert, die Couch... ach er hat einfach gefühlt alles vollgekübelt. Mama und Papa selbstverständlich inklusive. Morgens, mittags, abends und nachts. Manchmal habe ich mich wie ein wandelnder Kotzfleck gefühlt.

Da hat man sich Besuche immer zweimal überlegt. Oder Café-Besuche. Oder Einkäufe mit Baby. Als ich meine Kollegen während der Elternzeit bei einer Messe besucht habe, hat der Mini-Held sogar den Stand vollgekotzt. Yippieh. 

 

Richtig schlimm wurde das Ganze aber, als er anfing zu krabbeln. Da hat er die Magengaben nicht nur fröhlich im Haus verteilt, sondern ist auch durchgekrabbelt. Damit zog er eine richtig tolle Schleimspur hinter sich her. Am schönsten war es aber, wenn er dann auch noch drin rumgematscht hat. Und da er zu diesem Zeitpunkt auch schon Beikost bekam, war die Kotze wahlweise auch mal Möhren-Rot oder Zucchini-Grün. Welche Freude. 

Und irgendwann...mag man nicht mehr umziehen:

An manchen Tagen hat die Kübelei ganz schön an meinen bzw. unseren Nerven gezerrt. Nach dem vierten kompletten Umkleiden habe ich meistens aufgegeben und ihn nur noch trocken gefönt. Und da er den Fön mochte, war es wenigstens für den Zwerg ein schöner Spaß.

 

Eine Verschnaufpause erhielten wir in den Sommermonaten 2016. Aufgrund der teilweise hohen Temperaturen hat der Mini-Held nur einen Body getragen. Da war das Umziehen bedeutent einfacher.

Aber was waren das für unglaubliche Wäscheberge, die sich Tag für Tag auftürmten. Nicht nur, dass wir für Junior mehr Kleidung anschaffen mussten als wir selbst im Schrank hatten, es reichte trotzdem nicht aus, um ohne Waschmaschine über die Woche zu kommen. Hinzu kamen sage und schreibe 44 Spucktücher, die rund um die Uhr im Dauereinsatz waren. 

 

Neben den Unannehmlichkeiten tat mir unser kleiner Spatz oftmals aber auch einfach leid. Kaum war er vergnügt in ein Spiel vertieft, kübelte er auch schon wieder los. Aber da der Mini-Held zum Glück ein kleiner Sonnenschein war und ist hat er die Kotzerei einfach weggelacht, während ihm die Milch vom Kinn tropfte.

 

Bekommt er zuviel Milch?

Das haben wir uns nicht nur selbst dauernd gefragt, sondern das wurde uns als vermeintlich gut gemeinter Tipp von Dritten zum offiziellen Wegbegleiter. Also haben wir ihm probeweise Milch angeboten wenn wir der Meinung waren, dass der Mini-Held definitiv satt sein muss. Und siehe da - er hat keinen Tropfen getrunken. Er trank also tatsächlich nur, wenn er Hunger hatte. 

 

Das kommt von der Flasche!

Ein klares Nein! Denn auch während unserer Stillzeit war er ein Spuckkind. Würde es ausschließlich von der Flasche herrühren hätte er während dem Stillen keine Probleme haben müssen. 

 

Das kommt vom Stillen!

Nein, auch das Stillen war nicht der Grund, wie evtl falsches Anlegen. Würde das Spucken tatsächlich vom Stillen kommen, wäre das Thema mit dem Abstillen ja erledigt gewesen. War es aber nicht. 

 

Das ist nicht normal!

Der Satz hat mich je nach Stimmungslage echt wütend gemacht. Wenn Ärztin und Hebamme meinen, der Zwerg ist gesund aber eben ein Spuckkind, dann weiß es natürlich ein Fremder beim Einkaufen wieder besser. Doch, mein Kind ist normal! Auch als Spuckkind. Also sowas...

 

Es wurde besser:

Mit der Einführung der Beikost färbte sich die Spuckerei in ungeahnte Farbsphären. Der reinste Wahnsinn. Aber je mehr wir von Milch auf Beikost umstiegen, desto besser wurde die Kübelei. Und mit der Einführung der Familienkost über den gesamten Tag mit knapp einem Jahr verschwand die Kotzerei ganz von selbst.

Der Mini-Held war von Beginn an ein fürchterlicher Spucker, sodass ich manchmal das Gefühl hatte eine Milchfontäne anstelle eines Babys im Arm zu halten. Dennoch war der Zwerg kerngesund und gedieh wirklich ausgezeichnet. Auch vom Gewicht her, er war ein wirklich süßes, rundes Baby. Obwohl ich immer dachte, dass er mehr wieder ausspucken würde als er tatsächlich zu sich nimmt.

 

Was hilft denn jetzt dagegen?

Das ist etwas, das sich sicher alle Eltern von Spuckkindern fragen. Und um ehrlich zu sein probiert man ziemlich viel aus, weil die Spuckerei so an den Nerven zehrt. Nach dieser Zeit kann ich ganz ehrlich sagen: Geholfen hat gegen die Spuckerei nichts. Wirklich gar nichts. Weder anheben des Kopfteils der Babymatratze, noch Anti-Kolik-Tropfen, noch spezielle Milchnahrung, noch...

 

Es gibt oftmals kein "Gegenmittel", aber es gibt ein Hilfsmittel: Gute Laune :) Auch wenn Eurem Baby grad wieder die Kotze aus dem Mund spritzt - es ist ein kleines Wunder, das Euch anlacht. Mir hat irgendwann einfach geholfen unseren Zwerg nach der Spuckerei hoch zu nehmen, einen dicken Kuss ins Gesicht zu drücken, ihn anzulächeln und das Lächeln, das dann zurückkam  zu genießen. Dann ist die Spuckerei irgendwann nicht mehr so schlimm. Auch wenn die Mama wieder riecht wie die letzte Kotztüte.


Ein paar Tipps:

1. Lasst Hebamme und Kinderarzt abklären, ob Euer Zwerg ein Spuckkind oder evtl doch erkrankt (z.B. Magen-Darm) ist. Sonst macht Ihr Euch jedes Mal Sorgen wenn Euer Liebling spuckt, obwohl ihr das nicht müsstet. Ich habs bei der U3 direkt angesprochen, meine Hebamme hatte sich dem Thema bei der Nachsorge schon angenommen.

 

2. Besorgt Euch gute Spucktücher und verteilt sie im Haus. Wir hatten in jedem Zimmer griffbereit Tücher liegen, das hat Suchen und Wischen stark vereinfacht. 

 

3. Spucktücher gibt es viele. Doch die einfachen Mullwindeln haben nicht lange gehalten. Der dünne Stoff hatte schnell Löcher und Risse vom vielen Waschen. Richtig super fanden wir die Spucktücher Himmelsk von Ikea. Die sind saugfähig, haben ein schickes aber nicht übertrieben niedliches Design und halten immer noch. Man kann sie bis 95 Grad waschen.

 

4. Als Unterlage für den Kinderwagen haben wir Molton-Tücher benutzt. Diese sind viel dicker als die Spucktücher und somit sehr saugfähig.

 

5. Im Kinderbett haben wir auf eine Unterlage verzichtet - vor allem auf wasserdichte Betteinlagen. Da die Zwerge damit ganz schön ins Schwitzen kommen können, fanden wir eine solche Einlage im Hinblick auf eine mögliche Überhitzung gar nicht gut. Und ich finde sie persönlich auch echt fies.

 

6. Deckt Euch in der Schwangerschaft nicht schon mit Milchflaschen ein. Nach dem Abstillen haben wir nämlich gemerkt, dass der Mini-Held bei den unterschiedlichen Marken auch unterschiedlich viel spuckte. Apotheken, Drogerien und Supermärkte bieten eine große Auswahl an Anti-Kolik-Flaschen. Mein Tipp ist von jeder Marke eine Flasche zu kaufen und sie dann nach und nach zu testen. So habt Ihr dann schließlich die Milchflasche, die zu Eurem Baby passt.

 

7. Kauft große Halstücher. Wirklich große. Wir haben Halstücher mit Knöpfen bevorzugt, die in der Halsweite regulierbar waren. Lasst am besten direkt die Finger von den niedlichen, kleinen Halstüchern. Die sind nur Dekoration. Halstücher, die einen Großteil des Baby-Brustbereichs bedecken haben den Vorteil, dass sie beim Spucken sehr viel auffangen. Zum Schlafen haben wir sie einfach abgenommen, damit der Mini-Held sich dadurch nicht gestört fühlte. Bei Krabbelbabys unbedingt darauf achten, dass die Tücher nicht so lang sind, dass sich der Knirps aus Versehen darin verheddern kann beim Krabbeln.

 

8. Beim Tragen im Tuch oder der Babytrage haben wir zwei Spucktücher gefaltet übereinander gelegt und uns zwischen Mini-Held und unserem Brustbereich gesteckt. Beim Schlafen eventuell entfernen, damit der Zwerg nicht überhitzt.

 

9. Statt einer Baby- oder Krabbeldecke aus Stoff eignet sich als Unterlage für den Boden eine so genannte Puzzle-Matte oder Kinderspielmatte aus Schaumstoff. Diese kann man leicht trocken und feucht abwischen, während eine übliche Krabbeldecke dauernd in die Wäsche müsste.

 


Und heute?

Speikinder sind Gedeihkinder - den Spruch mochte ich irgendwann nicht mehr hören. Beim Mini-Held traf das aber voll und ganz zu. Er hatte nie Wachstumsprobleme und war zu keinem Zeitpunkt untergewichtig. Zwischendurch war er eher ganz schön propper. Jetzt wo er läuft als gäbe es Geld dafür verringern sich auch die Speckröllchen wieder.

 

Letztens habe ich mir mal wieder eines der gefühlt tausend Videos angeschaut, die wir vom Zwerg im ersten Lebensjahr gemacht haben. Er wirft einen Turm aus Stoff-Bauklötzen um, freut sich wie wahnsinnig darüber - und schickt eine ordentliche Spuckladung direkt hinterher. Dann schaut er in die Kamera und lacht einfach weiter. Ganz ehrlich? Jetzt mit etwas Abstand dazwischen kann ich herzlich darüber lachen. Damals wohl nicht so. Denn man hört nur ein leises Grummeln und es schiebt sich eine Hand mit Spucktuch ins Bild zum Saubermachen. Den Mini-Helden störte auch das nicht, er sortierte weiterhin seine Bauklötze.


Autorin: Landmutti Jennifer Held

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