Sankt Martin auf dem Dorf (sb)

Der 11.11. ist bei uns im Rheinland nicht nur Auftakt der närrischen Karnevalssession, sondern auch ganz eng verbunden mit einem heiligen Mann hoch zu Ross, dem Sankt Martin.

 

Im Rheinland hat der Martinsumzug eine lange Tradition. In jedem noch so kleinen Dörfchen gibt es ihn und so haben dieses Jahr sogar zwei Martinsfreunde aus Viersen einen Antrag an die UNESCO gestellt, ihn als immaterielles Weltkulturerbe aufzunehmen. Die Entscheidung darüber soll im nächsten Jahr getroffen werden

 

 

Kurzer Ausflug in die Geschichte vorangestellt- denn wer war eigentlich dieser Martin? Geboren im Jahr 316 / 317 (so ganz genau ist dies nicht überliefert) im damaligen römischen Reich musste Martin von Tours schon mit 15 Jahren zum Militär als Leibwächter Kaiser Konstantins. In dieser Zeit als Soldat passierte auch die Geschichte, die wir heute als seine gute Tat verehren. An einem eisigen Wintertag ritt Martin durch das Stadttor als er einen armen Bettler traf, der keine Kleider anhatte. Dieser bat ihn um Hilfe. Martin hatte aber nichts bei sich außer seinem Mantel und seiner Waffe, was er ihm hätte anbieten können. Also teilte er kurzerhand seinen Mantel mit seinem Schwert und gab dem Bettler die andere Hälfte. In der Nacht darauf erschien ihm Jesus im Traum als der Bettler, dem er geholfen hatte.  Sein Todestag war der 8. November. Da der 11. November seit jeher für die Bauern eine Art Gedenktag für die Ernte ist, legte man der Legende nach, das Fest zum Gedenken an Sankt Martin ebenfalls auf den 11.11.

 

Dieses Jahr sind wir also auch wir Landmuttis zum ersten Mal gemeinsam mit unseren Kids und den selbst gebastelten

Laternchen durchs Dorf gezogen. Treffpunkt war um 18 Uhr vor dem Feuerwehrhaus am Dorfplatz. Zur herbstlichen Stimmung passend setzte sich der Zug in Bewegung. Wettertechnisch umwehte uns ein herbstliches Stürmchen an leichtem Nieselregen und einige Kinder hatten ihren Laternen vorsichtshalber einen Regenschutz aus duchsichtiger Mülltüte verpasst. Die klassischen „Lateeeerne, Lateeeerne“- und „Sankt Martin, Sankt Maaartin...“- Gesänge erinnerten uns wieder an unsere eigene Kindheit und es war toll, dies nun mit den eigenen Kleinen zusammen zu erleben. Sankt Martin in seinem roten Mantel mit historisch passendem römischem Helm auf dem Kopf ritt voran und es ging einmal durchs ganze Dorf hinter ihm her. Das Schlusslicht des Zuges bildeten die Feuerwehrleute mit großen Pechfackeln. Wieder zurück am Dorfplatz hatte die Feuerwehr schon das Martinsfeuer erleuchtet. Sankt Martin und wir konnten uns aufwärmen. Für die Kinder gab es von ihm höchstpersönlich einen Martinswecken ausgehändigt. Kakao und Glühwein durften auch nicht fehlen. Unser Kleiner war schon ganz schön müde von der spannenden Prozession und darum beeilte ich mich, flott nach Hause zu kommen und mit dem süßen Weckchen im Bauch und den spannenden Eindrücken hat er dann auch die ganze Nacht durchgeschlafen und wahrscheinlich vom heiligen Sankt Martin auf seinem riesengroßen Pferd geträumt.

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